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Tagungsbericht: Melchnau 29. Mai 2010

 

Kühe unter Strom - Grösste gebäudeintegrierte Photovoltaikanlage der Schweiz eingeweiht

Damit wir eine lebenswerte Welt gestalten können, bündelt die Sonne die Kräfte.  Dieses Naturgesetz wendeten sowohl die Initianten der Solarstromanlage in Melchnau an als auch vier Landwirte, welche den Kuhstall, welcher über etwas 100 Kühen Platz bietet, errichten liessen. Der Vorzeigestall verfügt auf der Basis der Solartechnik  über eine Indachphotovoltaikanlage, Sonnenkollektoren und eine Heutrocknung. Die Investition wurde ohne Subventionen realisiert.

Schweizer Rekord

Auf einer aktiven, nach Süden ausgerichteten Dachfläche (25 Grad Neigung) von 1885 m2 (Dachlängen 102, resp. 94 m, Breite in der Südseite 15 resp. 22 m) erwartet man einen technischen Jahresertrag von rund 250 000 kWh bei einer installierten Leistung von 264 kWp. Damit können rund 65 Haushalte mit Strom versorgt werden. Die Solarmodule wurden in Lyss hergestellt, und zwar von 3S Swiss Solar Systems AG. Es handelt sich um ein MegaSlate®II-Solardachsystem. Insgesamt wurden 1785 PV-Module montiert. In 9 Tagen war das Dach damit eingedeckt. Lernende von verschiedenen Firmen (Swisscom, Energie Wasser Bern, Industrielle Betriebe Langenthal) waren im Rahmen des von Greenpeace organisierten Jugend Solar Projektes bei der Montage der Module engagiert. Die Dachkonstruktion aus Holz wurde so konzipiert, dass unterhalb der Module ein Luftstrom zirkulieren kann, welcher die Panelen kühlt und dadurch deren Wirksamkeit erhöht, und anschliessend über eine Heutrocknungsanlage sicherstellt, dass ohne zusätzlichen Fremdenergieinput das geschnittene Gras korrekt getrocknet werden kann. Sonnenkollektoren liefern das Warmwasser, um das Innere der hoch modernen Melkanlage zu reinigen. Ein Regenwassertank dient zur Speisung der äusseren Reinigung der Melkanlage. Die Kosten für die Photovoltaikanlage beliefen sich auf rund 2 Mio. CHF. Die Kostendeckende Einspeisevergütung wurde nicht benutzt, hingegen ein günstiges Darlehen.
Der Stall bietet rund 100 Kühen Platz Separate Boxen sind für kranke Kühe vorgesehen, ebenso für das Abkalbern.

Gemeinschaftswerk

Für die Realisierung des Projektes wurde die pvenegie ag gegründet. Aktienkapital: CHF 300 000.-) An ihr ist der Initiant der Anlage, Stefan Bigler, beteiligt als auch „Energie Wasser Bern“ sowie die industriellen Betriebe Langenthal und die Betriebszweiggemeinschaft Moosboden. Das Projekt wird durch die Swisscom als grösster Abnehmer des produzierten Stroms unterstützt. Dieses Unternehmen, welches zu den grössten Stromkonsumenten der Schweiz zählt, konsumiert ausschliesslich Strom aus erneuerbaren Quellen, schwergewichtig aus Wasserkraft. Der Photovoltaikanteil beträgt erst rund 1 %.
Grundsätzlich besteht zwischen den Beteiligten eine klare Aufgabenteilung. Die Landwirte haben das Dach zur Verfügung gestellt und sind am finanziellen Ertrag aus dem Stromverkauf mit 10 % beteiligt, kümmern ausschliesslich um die Milchproduktion,  die Investoren sind für die solartechnischen Anlagen zuständig und verantwortlich und  für die Vermarktung des Stromes zuständig. Eine im Grundbuch eingetragene Dienstbarkeit regelt die Verhältnisse zwischen den Investoren der Indachanlage und den Landwirten, welche den Stall betreiben. Es handelt sich um einen auf 40 Jahre angelegten Vertrag.

Breite Zustimmung zur Notwendigkeit der Anwendung der neuen erneuerbaren Energien

Bern als Vorbild für die Erneuerbaren

Barbara Egger-Jenzer, Regierungsrätin Kanton Bern, Vorsteherin des Bau-, Verkehrs- und Energiedepartements, stellte ihr Referat unter den Titel: Kühe stehen unter Strom. Damit meinte sie, abgeleitet von der auf dem Kuhstall realisierten Anlage, dass diejenigen, welche das Projekt realisiert haben, selber unter Strom stehen im Sinne von Leuten, welche Aufgaben dynamisch anpacken. Der Kuhstall Moosboden setzt neue Massstäbe. Mit solchen und weiteren geplanten Projekten sieht sie den Kanton Bern auf dem richtigen Weg. Das Potenzial für die Erneuerbaren, insbesondere für die Photovoltaik, schätzt die Regierungsrätin als riesig ein, hauptsächlich dann, wenn man davon ausgeht, dass bei einer Eindeckung der in der Schweiz für die Solarstromproduktion geeigneten Dachfläche ein Drittel des Stromverbrauches gedeckt werden könnte. Die Vorteile der Solartechnik ortet Barbara Egger bei den sich stellenden energetischen Fragen, der dezentralen Versorgung und damit der erhöhten Versorgungssicherheit, aber auch als Beitrag zum Klimaschutz und der Schaffung von lokalen Arbeitsplätzen. Was in Moosboden gefeiert wird, dürfte in Zukunft Normalität geniessen.

Kuhstall als Energiefabrik

Hans Beer, Direktor industrielle Betriebe Langenthal, verwies auf den Beschluss im Kanton Bern, den Ausstieg aus der Atomenergie vorzubereiten. Er sieht dabei ein realistisches Szenario bis zum Jahr 2039. Das Projekt „Kuhstall Moosboden“ verkörpert für Beer auf der Basis einer breiten Zusammenarbeit und einer privaten Initiative eine nachahmenswerte Innovation mit Nachhaltigkeit.

Kooperation zwischen Bauern hat Zukunft

Hans Duppenthaler, Landwirt,  Betriebszweiggemeinschaft Moosboden, erwähnte, dass schon die Väter der neuen Betriebsgemeinschaft Formen der Zusammenarbeit gepflegt haben, so bezüglich der einzusetzenden Maschinen. Da die Landwirte einem harten grenzüberschreitenden Wettbewerb ausgesetzt sind, neue Auflagen, so im Tierschutz, die Kosten steigern und weitere Rationalisierungen in Form der Reduktion der Handarbeit notwendig sind, haben vier Landwirte der Region die Betriebszweiggemeinschaft Moosboden gegründet. Mit zurzeit 102 Kühen wird silofreie Milch produziert. Der Melkraum ist ein eigentliches Karussell und entspricht hohen hygienischen Anforderungen. Die Arbeitsteilung und die gegenseitige Unterstützung ermöglicht es zudem, dass die Landwirte zu ausgeglicheneren Arbeitszeiten gelangen können.
Unterstützt wurden diese Aussagen durch Albert Rösti, Direktor Schweizer Milchproduzenten, welcher rund 25 000 Milchproduzenten vertritt.  Auch wenn die starken Schwankungen bei den Milchpreisen – in kurzer Zeit schwankte weltweit der Preis pro Liter zwischen 18 Rp. Und 45 Rp. – Sorgen bereiten, ist Rösti zuversichtlich, dass die Milchproduktion, nicht zuletzt aufgrund der weltweiten Ernährungssituation Zukunft hat. Laboruntersuchungen hätten zudem gezeigt, dass die Schweizer Milch die höchste Qualität aufweise.

Swisscom für erneuerbare Energien

Fabian Etter, Teamleiter Corporate Responsibility, Swisscom, bekannte sich zum Grundsatz, dass die Swisscom grundsätzlich nur Strom aus erneuerbaren Quellen einsetzen will. Moosboden ist ein weiterer Schritt dabei.

Modernste Solartechnologie durch 3S

Patrick Hofer-Noser, CEO Swiss Solar Systems 3S, Teil der Meyer Burger Gruppe, erläuterte die auf dem Kuhstall installierte modernste Modultechnik. Die Gruppe ist Marktführerin in Produktsystemen zur Herstellung von dünnen quadratischen oder runden Scheiben (Solar-Wafer) bis zum Solarmodul. Die Schweiz ist für die Gruppe ein idealer Standort für den Export in die boomenden europäischen Länder.

Diskussionsrunde

In der Diskussionsrunde wurde hervorgehoben, dass man davon ausgeht, genügend Abnehmer zu finden, welche bereit sind, für Solarstrom einen Aufpreis zu bezahlen. Dies soll auch in einem liberalisierten Strommarkt möglich sein. Die regionale Vernetzung wird als Vorteil betrachtet. Aus Sicht der Landwirte gilt, dass die Anwendung der Solartechnik eine Fortführung der von den Landwirten seit langem gepflegten Tradition, im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. Die sich ändernden Rahmenbedingungen erfordern zudem die Mulitfunktionalität bei der Erwirtschaftung des Einkommens. Die Solartechnik eröffnet zudem interessante Möglichkeiten für innovative Handwerker, nicht zuletzt für die Dachdecker.

 

 

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