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Solarbauern
 
 


Tagungsbericht: Zell und Rikon am 26. April 2008



Tösstal-Bauern mit sonniger Zukunft

 

Im Rahmen des Projektes „Vom Landwirt zum Energiewirt: Solartechnik“ konnte einer beachtlich grossen Anzahl von Landwirten anhand zweier Musteranlagen konkret dargelegt werden, dass es sich lohnen kann, die Solartechnik auf Bauernhöfen einzusetzen, dies unter der Voraussetzung einer fundierten Machbarkeitsstudie und des Einbezugs ausgewiesener Fachfirmen und Experten.

 
 

Vorstellung der Mustebetriebe

Hof Reichert, Zell

 

Der Hof der Familie Reichert-Staub liegt auf dem Gemeindegebiet von Zell (Garten, 8487 Zell ZH) auf 700 m Höhe. Die Familie lebt von verschiedenen Aktivitäten. Stichworte: Mutterkuhhaltung, 18 Kühe, 26,8 ha Land werden bebaut, 6-7 ha Ackerbau, 2-3 ha Kunstwiesen, Pferdehaltung, Waldbau.

Die Beschäftigung mit der Holznutzung führte Reichert auf grundsätzliche energetische Überlegungen. Das anfallende Holz wird in einer Holzschnitzelheizung zur Warmwasseraufbereitung und für Heizungszwecke eingesetzt.

 

Dank der Beziehung zu Investoren, den Gebrüdern Gorgi, liess er für seinen Hof ein Solarkonzept erstellten.

 

Die Anlage wurde durch die Firma SolarMarkt als Generalunternehmer erstellt.

Wichtigste Zahlen: 304 Module à 175 Watt, Nennleistung insgesamt 53.2kWp, durchschnittlicher Jahresertrag 52 500 kWh. Installiert wurden Solarmodule „SolarWorld 275 mono“, es wurde eine Indachanlage mit Solrif gewählt. Insgesamt sind 8 Wechselrichter Solarmax 6000C installiert.

 Die Datenerfassung geschieht mittels MaxComm GSM.

 Netzbetreiber ist das EKZ. Die Anlage wurde aufgrund einer Ausschreibung ausgewählt, obschon diese ausserhalb des eigentlichen geografischen Geschäftsbereiches des EKZ liegt. Es besteht ein Vertrag mit der Solarstrombörse ewz, welcher bis zum Jahr 2026 gültig ist.

Die Anlage wird fern überwacht. Die Stromproduktion reicht für den Verbrauch von rund 12 (durchschnittlichen) Haushalten.

Die Heubelüftung hilft, dass die Solarzellen gekühlt werden und dadurch deren Ertrag verbessert wird.

 

 

Eiertom GmbH, Rikon

 

Seit 1994 gackern in Oberlangenhard Freilandhühner. Die Vorschriften des Tierschutzgesetzes werden übertroffen. Beim gelernten Geflügelzüchter Jung kann man von den nach Gewicht abgestuften Freilandeiern bis zum Eiercognac seine „Eierlust“ befriedigen. Insgesamt produziert die „Coop-Naturafarm“ pro Jahr rund 3,2 Mio. Eier. Dass der Hof zur Spitzenklasse gehört, belegt der Besuch der deutschen Landwirtschaftsministerin, Renate Künast, welche sich persönlich ein Bild der Naturafarm machen wollte.

Der Einsatz für erneuerbare Energien hat der heutige Eigentümer des Hofes von seinem Vater geerbt, der sich schon vor über 30 Jahren für Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung interessierte.

Auf dem neu gebauten „Hühnerstall“ wurde eine Fotovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 45375 kWp installiert. Netzbetreiber ist das EKZ. Mit der Strombörse ewz besteht ein Vertrag bis zum Jahre 2027. Der durchschnittlich zu erwartende Jahresertrag beträgt 46000 kWh.

Diese Leistung ist dank den Solarmodulen „SolarWorld 165 mono“ möglich. Es wurden 7 Wechselrichter Solarmax 6000C, 1 Wechselrichter Solarmax 4200C und 1 Solarmax 3000C verwendet. Die Montage geschah auf Dach mit AluTec, wobei Stockschrauben mit Kalotten für das Trapezblech verwendet wurden.

Mehr Hinweise finden sich auf: www.eiertom.ch

 

 

Erkenntnisse der Tagung

 

Allgemein

 

Wichtigstes Ergebnis: Beide Eigentümer der Landwirtschaftsbetriebe sind mit den bisherigen Resultaten vollständig zufrieden. Dasselbe gilt für den Investor bei der Anlage Reichert.

Der Realisation einer Fotovoltaikanlage müssen umfassende Abklärungen vorausgehen. Neben technischen Aspekten sind finanziellen, aber auch rechtlichen Fragen das notwendige Gewicht zu geben. Neutrale Beratungen, wie z. B. durch den kantonalen (Zürcher) Bauernverband, können Ungewissheiten und Risiken mindern. Neben der Eigeninvestition ist durchaus die Zusammenarbeit mit einem Investor zu prüfen, welcher eine Dachfläche mietet und dem Eigentümer eine Entschädigung, sei diese fix oder in Abhängigkeit des Stromertrages, bezahlt.

 
 

Speziell

 

Investitionsrechnung

 

Stephan Berger, Strickhof, Lindau ZH, konnte den Teilnehmenden eine Reihe möglicher Investitionsrechnungen, abhängig von der Grösse der Anlage und ihrer Finanzierung präsentieren. Da die Nutzung der Sonnenenergie nicht zu den landwirtschaftlichen Produktionstätigkeiten gehört, können Landwirte keine speziellen Unterstützungen erhalten. Hingegen steht ihnen die Möglichkeit eines zinslosen Investitionskredites offen. Unter Einhaltung verschiedener Vorgaben ist ein solcher Kredit bis zu höchstens 50 % der Gesamtkosten erhältlich, max. Gesamthöhe 200 000.- CHF, rückzahlbar bis höchstens 15 Jahre.

Bereits kleiner Anlagen können eine Nettorendite abwerfen, welche durchaus mit einer sicheren Bankanlage vergleichbar ist.

(Die vollständigen Rechnungsbeispiele werden auf der Webseite: www.solarbauern.ch aufgeschaltet, ebenso auf: www.strickhof. ch.)

Aufgrund der Nachfragesteigerung nach Solaranlagen ist es wichtig, sich genau über die neusten Preise und deren Verbindlichkeit in Offerten zu erkundigen.

 

Neben den direkten Investitionskosten für die Anlage und den Finanzierungskosten sind weitere Faktoren zu berücksichtigen:

Kabellegung, zuvor genau Standort im Verhältnis zu den vorhandenen Leitungssystemen ins Netz prüfen, Raum für Wechselrichter, allfällige Dachanpassungen, Denkmalschutz, Bewilligungsverfahren, Betriebskosten, Wartung und Versicherung, Rückstellungen für Reparaturen, Abschreibungen, Fernüberwachung, Rückstellung für Entsorgung nach Ablauf der Lebensdauer (kann bis zu 10 % des Anlagewertes betragen).

Bei landwirtschaftlichen Betrieben ist z. T. die Frage der Versicherung und der Gebäudeschätzung noch nicht restlos geklärt. (Auf der Webseite www.solarbauern.ch werden wir diese Frage nach Erhalt der Antworten publizieren.)

 
 

Einordnung in die Energiepolitik

 

Herr Alex Nietlisbach, Vertreter der kantonalen Baudirektion, stellte die Möglichkeit der Stromproduktion auf Bauernbetrieben in einen grösseren Zusammenhang. Im Gegensatz zur Windenergie messen sie der Fotovoltaik im Kanton Zürich vorsichtig optimistisch eine gute Zukunft bei. Auch wenn es intensiver besonnte Gebiete in der Schweiz gibt, kann unter Beachtung der Lage eines Gebäudes durchaus ein vernünftiger Ertrag erwirtschaftet werden. Fotovoltaikanlagen können von einem einzelnen Landwirt autonom beschlossen werden, was bei Biomasseanlagen kaum möglich ist. Heikel kann die Bewilligung von Solaranlagen ausserhalb der Bauzonen sein. Die Baudirektion des Kantons Zürichs hat diesbezüglich ein Merkblatt veröffentlicht.

(www.baugesuche.zh.ch, Tel. 043 2595475, weitere Merkblätter unter AWEL.)

 

Frau Sabina Dürrenberger erläuterte das Merkblatt ‚Solaranlagen’ für Anlagen ausserhalb von Bauzonen. Hauptkriterium einer Bewilligung ist die gute Einordnung einer Baute – und somit auch von Dach- und Fassadenflächen - in die Landschaft. Für Solaranlagen ausserhalb der Bauzone besteht generell eine Bewilligungspflicht.

Grundsätzlich sollen Solaranlagen als zusammenhängende Flächen und dachbündig erstellt werden. Anlagen müssen dunkel sein und dürfen nicht spiegeln. Es wird eine frühzeitige Kontaktnahme mit der kantonalen Bewilligungsbehörde empfohlen.

Ein gewisser Zielkonflikt zwischen der „Landschaftsästhetik“ und rein wirtschaftlichen Überlegungen besteht.

 
 

Unterstützung durch den Zürcher Bauernverband

 

René Bünter, Leiter des Beratungsdienstes des Zürcher Bauernverbandes zeigte auf, dass die Solarenergie Teil des Leitbildes des Bauernverbandes bildet.

Der Bauernverband setzt sich u. a. dafür ein, dass die Bauvorschriften für Solaranlagen ausserhalb der Bauzone vernünftig gehandhabt werden. Die Beratung aus einer Hand ermöglicht es einem Landwirtschaftsbetrieb die Investitionsrechnung, aber auch Verträge mit Herstellern, Lieferanten und Investoren vor Abschluss prüfen zu lassen.(www.zbv.ch, bitte besonders beachten die Angaben betreffend die Betriebsberatung.)

 
 

Kostendeckende Einspeisevergütung

 

Die Möglichkeit, dass ab 1. Mai 2008 zuhanden von „swissgrid“ Gesuche eingereicht werden können, damit der Strom aus Fotovoltaikanlagen „kostendeckend“ vergütet. wird, bildete den roten Faden durch die Veranstaltung.

(Siehe: Spezialinformationen auf www.solarbauern.ch.)

Für Landwirtschaftsbetriebe kommen sowohl dachintegrierte als auch angebaute Anlagen in Frage. Erstere werfen eine höhere Entschädigung ab. Die Vergütungen sind zudem abhängig von der Grössenklasse in kWp. Die einzelnen Kategorien (unter 10 kWp, 10 bis 30, 30 bis 100, grösser als 100) werden kumulativ angewendet. Die Vergütung ist für 25 Jahre gleichbleibend.

Der für die Fotovoltaik vorgesehen Vergütungsbetrag ist leider mit rund 16 Mio. CHF in der Anfangsphase äusserst gering. Insgesamt sollen die erneuerbaren Energien mit rund 320 Mio. CHF unterstützt werden. Der Betrag dürfte daher rasch „vergeben“ sein.

 
 

Ausstellende Firmen

 

Zusätzlich zur Firma SolarMarkt, welche für die erwähnten Installationen als GU verantwortlich war, konnten die Teilnehmenden sich weiter erkundigen:

SunTechnics Fabrisolar AG

Conergy GmbH




Bilder


Solaranlage Hof Reichert, Zell Thomas Jung erläutert die Fotovoltaikanlage auf seiner Coop-Naturafarm
   
Urs Kessler, Geschäftsführer der SolarMarkt Schweiz, erläutert die Funktion seiner Firma als Generalunternehmerin Stephan Berger, Strickhof, Wülflingen, erläutert die wichtigsten Aspekte einer Investitionsrechnung für Fotovoltaik-Anlagen
   
M. Gorgi, Investor, erklärt, warum er als Solarinvestor tätig ist René Bünter vom Zürcher Bauernverband erläutert die Unterstützungsmöglichkeiten des Verbandes
   
Alex Nietlisbach, Baudirektion Kanton Zürich erläutert die Energiepolitik des Kantons Frau Sabina Dürrenberger erläutert das Merkblatt betr. Bewilligung von Solaranlagen ausserhalb von Bauzonen
   
 

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