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Solarbauerntagung vom 21. Juni 08 in Brienz/Brienzauls, Kanton Graubünden


Albulatal: solares Vorzeigetal

 

Brienz/Brienzauls mit höchster Solaranwendung pro Kopf der Schweiz

 

 

Die Solarbauerntagung vom 21. Juni 08 fand in der politischen Gemeinde Brienz/Brienzauls im Kanton Graubünden in Vazerol statt. Das Albulatal sticht bezüglich energiepolitischer Leistungen hervor. Bereits 1991 erhielt die Gemeinde Brienz/Brienzauls den Solarpreis. Das Albulatal darf die Auszeichnung Energiestadt verwenden. Allen Strombezügern von Brienz/Brienzauls wird Öko-Strom angeboten.

Landwirt Roland Bossi, ein Betrieb mit über 30 Grossvieheinheiten, hat bei der Errichtung seines neuen Stalls auf Solarenergie gesetzt. Dabei konnte er als Investor die Solarspar-Genossenschaft gewinnen.

 

 

Landwirt Bossi zieht es vom Tal auf die Sonnenterrasse

 

Roland Bossi ist der typische gradlinige unternehmerische Bündnerbauer mit hohem Umweltbewusstsein. Er hat frühzeitig das schattige Tal verlassen, um sich einen Platz an der Sonne zu sichern. Als er seinen neuen, in Holz verkleideten Stall im Jahre 2007 baute, war für ihn klar, dass er das einfallende Sonnenlicht nutzen will. Sein Kommentar: „Eine Fotovoltaikanlage ist eine gute Idee; sie bringt etwas und sieht erst noch gut aus.“

In der von Peter M. Wettler präsidierten Solarspar-Genossenschaft fand er den idealen Investor. Konkret: Bossi vermietet sein Dach, erhält dafür eine bescheidene jährliche Entschädigung, hat praktisch keinen Aufwand mit der Anlage und bindet keine eigenen Finanzmittel.

 

Installiert wurden 300 m2 Solarzellen auf einem ideal geneigten, nach Süden ausgerichteten Dach mit einer Leistung von 43 kW und einem jährlich zu erwartenden Ertrag von 50 000 kW/h. Damit können rund 10 bis 12 „normale“ Haushalte mit elektrischem Strom versorgt werden. Bei Einfamilienhäusern, welche neusten bautechnischen Möglichkeiten genügen, entspricht die Stromproduktion dem Verbrauch von rund 20 EFH. 8 Wechselrichter, welche ausserhalb des Hauses angebracht sind, sorgen für die technische Umformung vor der Einspeisung in das Elektrizitätsnetz. Die Platzierung der Wechselrichter in einer landwirtschaftlich genutzten Liegenschaft muss u. a. Brandschutzvorschriften beachten. Der Heustaub könnte zu Problemen führen, sodass eine Unterbringung der Wechselrichter ausserhalb des Stalles angezeigt ist. (Siehe Fotos des Stalls und der Anlage)

 

Erläuterungen durch Raimund Hächler, Solarstatt GmbH, Chur

 

Die Konzeption der Anlage oblag Raimund Hächler von der Firma Solarstatt GmbH, Chur.

Hächler ist Solartechnikpionier mit grosser Erfahrung. Die Installation der Anlage geschah unter Mitwirkung der Organisation „Jugendsolarprojekte“. Die Idee, dass Jugendliche sich sinnvoll betätigen und dadurch u. a. das Verständnis für Umweltanliegen wächst, soll weiter ausgebaut werden, wobei man künftig vermehrt an „Freiwillige“ als an solche denkt, welche man zu solchen Arbeiten „abkommandiert“.

Landwirt Bossi, die Solarspar-Genossenschaft und Raimund Hächler realisierten eine Anlage, welche eine kostendeckende Vergütung beinhaltet, und zwar über das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, welches den dabei erzeugten Strom als Solarstrom weiterverkaufen kann. Der Vertrag ist für 20 Jahre gültig. Aufgrund der grossen Nachfrage nach solchem Strom wird das EWZ in Kürze eine weitere Ausschreibung vornehmen, sodass Bauern, welche ihre Dächer nutzbringend verwenden wollen, aufgerufen sind, sich konkret mit einem Solarprojekt zu befassen. Diesen winkt, sofern sie das Dach vermieten und die Investition nicht auf sich selber nehmen, ein Ertrag zwischen 2 % bis 3 % des Erlöses aus dem Verkauf des auf ihrem Dach produzierten Stromes. Diese Lösung ist eine zusätzliche Möglichkeit zur Beantragung einer Vergütung gemäss „Kostendeckender Einspeisevergütung“, da die dafür vorgesehenen Mittel von rund CHF 16 Mio. schnell aufgebraucht sein werden. Hächler wies darauf hin, dass im Albulatal weitere Projekte anstehen und dieses Tal somit dem sonnigen Ruf alle Ehre macht.

 

Ein bürgerlicher Fürst steht an der Sonne dank einer heissen Erfahrung

 

Peter M. Wettler, erfahrener kantonaler Politiker aus dem Limmattal, „herrschte“ während eines Jahres als „Fürst von Belfort“, der Landschaft von Mittelbünden. Die Ruine „Belfort“ zeugt heute noch von vergangener Grösse. Wettler half mit, dass neue Ideen die Wirtschaftskraft dieser Bündner Region stärken werden.

Er bleibt der Region treu und stellte sich als Referent für die Solarbauerntagung zur Verfügung.

Die vom ihm präsidierte Solarspar-Genossenschaft hat 25 000 Mitglieder und jährlich kommen rund 1000 neue dazu. Ein Betrag von 2,5 Mio. CHF als Investitionsvolumen hilft, dass pro Jahr damit zwischen 8 bis 10 Anlagen (thermisch und fotovoltaisch) finanziert werden können.

Sein Weg hin zu einem überzeugten Anhänger der Solartechnik führte im wortwörtlichsten Sinne über die Füsse. Als kleiner Junge verbrannte er sich die Sohlen, als er an einem Sommertag über einen brandheissen „Dolendeckel“ marschierte. Die Entdeckung blieb nachhaltig: Die Sonne hat Kraft.

 

Die auf die Schweiz einstrahlende Sonnenenergie ist 160-mal grösser als der Energieverbrauch des Landes. Es ist für Wettler unverständlich, warum wir weiterhin 78 % des Geldes, welches wir für Energie ausgeben, in den Nahen Osten und in sonst fremde Hände zahlen, anstelle dass wir Arbeitsplätze im Inland schaffen.

 

Für Wettler ist die soeben in Kraft getretene „Kostendeckende Einspeisevergütung“ ungenügend. Damit können pro Jahr lediglich zwischen 50 bis 60 Anlagen gebaut werden. Wie sich die verschiedenen Elektrizitätsgesellschaften gegenüber zusätzlichen Investitionen von Bauherren verhalten werden, ist ungewiss. Im Gegensatz zu Deutschland, wo ein eigentlicher Solarboom stattfindet, kann es in der Schweiz zu einer Stagnation kommen. Die grossen Stromproduzenten der Schweiz setzen eher auf den Kauf von Kleinwasserkraftwerken, als dass sie neue erneuerbare Energien fördern.

 

Lasst doch die Sonne für uns arbeiten, sie ist gratis und praktisch unbeschränkt vorhanden, das Erdöl geht uns bald aus, so lautet die Folgerung von Wettler.

 

Warum nutzt der sparsame Schweizer die Gratisenergie zu wenig?

 

Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Solarangentur und bekanntester Lobbyist in Sachen „Solar“ und „sinnvoller Nutzung der Wasserkraft“ (Greina-Stiftung) brachte die gegenwärtige Lage der Schweiz bezüglich der Energiepolitik auf den Punkt.

 

Er steckte ein 1m2 grosses Feld ab. Die Sonne schenkt diesem kleinen Stück Erde ein Leistungspotenzial von 3 kW. Den anwesenden Landwirten, die Zeit der Heuernte war allgegenwärtig, war sofort klar: Riesige besonnene Flächen liegen brach. Nicht nur Heu, sondern auch pure Energie könnte man einbringen.

 

Solarenergie ist Geld, welches vor dem Hof und ringsum auf den Dächern „liegt“.

Cadonau wies am Ort „seines Solarpreises“ darauf hin, dass die Schweiz immer mehr ins „Hintertreffen“ gerät. Während noch vor geraumer Zeit die Schweiz dieselbe Zahl von Fotovoltaikanlagen wie in Deutschland baute, hat sich dieses Verhältnis drastisch zugunsten von Deutschland geändert. Dabei sind es hauptsächlich Landwirte, welche dort für die grosse Verbreitung sorgen.

 

Seine Folgerungen: Anstelle Milliarden in noch ungewisser Höhe für Atomkraftwerke aufzuwenden, wäre es intelligenter, die Gratisenergie Sonne zu nutzen und das Geld in der Schweiz zu investieren.

 

Allgemeine Folgerungen

 

Das Interesse der Bauern an der Solartechnik ist gerade im Kanton Graubünden sehr gross. Die Landwirte machen mit der Anwendung dieser Technik gute Erfahrungen und animieren Berufskollegen zu weiteren Investitionen. Die knausrige Förderung für die Fotovoltaik über die „Kostendeckende Einspeisevergütung“ wird mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Der Druck über die Bauernvertretungen und Politiker muss zunehmen, damit die Schweiz wieder zu einem „Solarland“ wird.

 

Anwesende und ausstellende Firmen

 

Solarstatt GmbH, Chur (Raimund Hächler)

SolarMarkt Schweiz, Aarau (René von Grünig)

Groupe Solvatec SA, Muttenz (Christian Hassler, Niederlassung Zillis, GR)

Conergy GmbH, Flurlingen (Driton Redzepi)

 

Markus Müller


Bilder


   
   
 

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