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Tagungsbericht: Erlinsbach, 19. Juni 2010

 

Idylle am Südhang von Erlinsbach: Solarbauerntagung bei Familie Lüscher
Am 19. Juni 2010 folgten rund 70 Solarinteressierte einer Einladung der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES) auf dem Hof der Familie Lüscher in Erlinsbach eine von der Firma WindGate AG, Wallisellen, errichtete Photovoltaikanlage und weitere Möglichkeiten der Solarenergie näher studieren zu können. Der Gemeindepräsident und ein weiteres Mitglied des Gemeinderates waren anwesend, ebenso der Sekretär des Bauernverbandes Aargau sowie ein Vertreter der Energiefachstelle des Kantons.
Das Interesse der Landwirte an der Anwendung erneuerbarer Energien ist ungebrochen. Investitionen werden dann getätigt, wenn eine fundierte Wirtschaftlichkeitsrechnung eine vernünftige Rendite ermöglicht. Die langen Wartefristen bei der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV, Bundeslösung) werden kritisiert. Überbrückungsangebote des Kantons sind willkommen.

Hansjörg Lüscher: Landwirt in der dritten Generation

Der Landwirtschaftsbetrieb von Hansjörg Lüscher liegt am Südhang von Erlinsbach. Der Hof wird in dritter Generation geführt. Die Söhne Raphael (10) und Jan (7) können durchaus die vierte Generation sicher stellen. Die Haupterwerbsquelle bildet die Schweinezucht. Pro Jahr werden rund 2500 Ferkel aufgezogen. 100 bis 120 Mutterschweine gilt es zu füttern. Auf 12 ha Land werden verschiedene Feldfrüchte angepflanzt. Der Betrieb wird als IP-Betrieb geführt und besitzt das Label „Terrasuisse“. Frau Anita Lüscher züchtet Alpakas, deren Wolle verarbeitet wird. Der Hof ist inmitten von Magerwiesen am trockenen Südhang, angrenzend an die Jura-Schutzzone. Die Artenvielfalt ist gross.

WindGate AG, Wallisellen, realisiert eine bedürfnisgerechte Anlage

Der Schweinezuchtbetrieb benötigt einen grossen Energieinput. Diesen wollte Herr Lüscher zumindest teilweise mit Solarstrom aus eigener Produktion decken. Da der Kanton Aargau eine Überbrückungslösung für diejenigen Projekte anbot, welche nicht auf der Warteliste der KEV (Kostendeckenden Einspeisevergütung, Bundeslösung) sind, konnte das Projekt realisiert werden. Ein spezieller Zähler sorgt dafür, dass der Eigenverbrauch an Strom (Zähler läuft  rückwärts)  und derjenige, welcher von den Industriellen Betrieben Aarau abgenommen wird, laufend erfasst wird. Der Einspeisetarif beträgt zurzeit 17.5 Rp./kWh. Ab dem Zeitpunkt, wo die Anlage KEV-berechtigt ist, werden der Eigenverbrauch und die Einspeisung separat erfasst, zudem liegt dann die Entschädigung höher. Man rechnet damit, dass die Anlage in 13 - 15 Jahren amortisiert ist.
Die Installation konnte nicht zuletzt aufgrund der von der Gemeinde speditiv behandelten Bewilligungen in kurzer Zeit realisiert werden.
Insgesamt wurden  151.47 m2 Photovoltaikzellen installiert. Das Dach weist eine Neigung von 13 Grad auf. Es musste aufgrund der Gegebenheiten auf die Beschattung durch ein Entlüftungsrohr und ein Silo geachtet werden. Die verbleibende Dachfläche kann später für eine thermische Anlage genutzt werden.
Die installierte Leistung beträgt 21, 42 kW/Peak. Trotz des bisher schlechten Wetters ist der Betrag der Stromproduktion seit Inbetriebnahme der Anlage am  3. März 2010 mit 8600 kW/h höher als erwartet. Die Firma WindGate rechnet damit, dass über das ganze Jahr 20’500 kW/h ins Netz eingespeist werden können.

Kanton Aargau: Vorbildliche Energiepolitik

Der Kanton Aargau legt besonderen Wert auf eine breit gefächerte Energiepolitik, auch wenn der Kanton Standort für Kernkraftwerke ist. Ein neues Energiegesetz ist von der Regierung vorbereitet und dem Parlament zugeleitete worden. Ein Ziel dabei ist es, die Standortqualität des Kantons mittels der Energiepolitik attraktiv zu gestalten.
Das „Warten auf die KEV“ löste im Kanton ein eigenes Unterstützungsprogramm zur Förderung der erneuerbaren Energien aus. Paul Müri, Präsident SSES des Kantons, wies darauf hin, dass verschiedene Gruppen im Kanton sich für erneuerbare Energien einsetzen und dass bei gesamtschweizerischer konsequenter Anwendung der Solartechnik rund 30 % des Stromverbrauchs gedeckt werden könnten. Landwirtschaftsbetriebe sollten sich nicht einseitig auf die Photovoltaik ausrichten, sondern auch die thermischen Möglichkeiten nutzen, nicht zuletzt bei Aufzuchtbetrieben mit hohem Wärmebedarf.
Der Vertreter der Energiefachstelle des Kantons, Stephan Kämpfen, erläuterte die verschiedenen Aktionsfelder des Bundes, der Kantone und Privater zwecks Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden und der vermehrten Anwendung erneuerbarer Energien zwecks Ersatz des Erdöls. Aus der eigentlichen Förderung der Photovoltaik zieht sich der Kanton künftig zurück, da die Projekte über die KEV gefördert werden und dadurch keine nicht amortisierbaren Kosten anfallen, was Voraussetzung für eine kantonale Förderung wäre.
Unter www.energie.ag.ch können Interessierte die aktuellen Förderprogramme einsehen. Für kleine Photovoltaikprojekte kann man sich u. a. an den Verein Aargauer Naturstrom wenden, welcher den ökologischen Mehrwert einer Anlage vergütet. Allerdings kommt diese Möglichkeit für Landwirtschaftsbetriebe aufgrund der bescheidenen Abnahmemöglichkeiten kaum in Frage.
Ralf Bucher als Vertreter des Bauernverbandes Aargau betonte, dass sich sein Verband klar für die Förderung der erneuerbaren Energien einsetze. Dieses Engagement, nicht zuletzt in Koordination mit Umweltverbänden, geschehe u. a. deshalb, weil es wichtig sei, sich von der Auslandabhängigkeit zu lösen und die benötigte Fremdenergie möglichst dezentral zu produzieren. Dadurch wird dasselbe Prinzip bei der Energiepolitik angewendet wie bei der Versorgung mit Lebensmitteln. Sachpolitik vor Ideologie. Dass es noch Parteien gibt, welche weiterhin Fördermassnahmen bekämpfen, kann der Bauernvertreter nicht verstehen.

Informationsbedarf

Max Meyer betrachtet das von ihm geleitete Projekt „Solarbauern“ als eine neutrale Plattform zur Vermittlung von zweckdienlichen und gezielten Informationen für Landwirte auf dem Gebiet der Solartechnik. Dabei wird mit namhaften Firmen, welche auf der Webseite www.solarbauern.ch aufgelistet sind, zusammen gearbeitet.
Im Vordergrund von Anfragen stehen die sich laufend verändernden Bestimmungen über Einspeisetarife und Fördermöglichkeiten. Meyer empfiehlt Investoren, sich von  einer ausgewiesenen Fachfirma einen umfangreichen Lösungsvorschlag einschliesslich technischer und wirtschaftlicher Kriterien und der rechtlich verbindlichen Zusicherung der Einspeisebedingungen unterbreiten zu lassen, bevor die Unterschrift unter die Dokumente gesetzt wird.
Im föderalistischen System, aber auch aufgrund oft kurzfristig geltenden Förderprogrammen muss bei jedem Projekt abgeklärt werden, welche Instrumente zur Verfügung stehen, welchen Umfang diese annehmen, welche Gültigkeitsdauer sie haben und wie man die rechtlich bindenden Zusagen erhält.

 






 
  Dies ist ein Projekt der Schweizerischen Vereinigung für Sonnenenergie (SSES)                  Kontakt