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Tagungsbericht: Edlibach, 16. Oktober 2010

 

Auf dem Dach des Stalls des Milchwirtschaftsbetriebes von Franz und Jeanette Zürcher in Edlibach, KantonZug, sind auf 290 m2 175 Solarmodule bester Qualität mit einer Leistung von 39.4 KWP installiert, welche eine jährliche Stromproduktion von rund 40 000 kWh ermöglichen. Die Investitionssumme betrug CHF 210 000.-. Ein Vertrag mit dem EWZ über 20 Jahre garantiert eine kostendeckende Einspeisung. Diese liegt im Durchschnitt der Vertragsdauer bei 50.8 Rp. pro kWh, wobei im ersten Jahr der Inbetriebnahme 58 Rp. bezahlt werden und in 20 Jahren noch 42 Rp. Die Anlage dürfte mindestens 30 Jahre Strom liefern und bildet eine willkommene Zusatzeinnahme für einen Betrieb, welcher dem Auf und Ab des Milchmarktes ausgesetzt ist. Auf 720 m Höhe in einem hügeligen Gebiet ist die Milchwirtschaft praktisch die einzige sinnvolle Landwirtschaftstätigkeit.

Der Weg zur Solaranlage

Im Jahre 2003 installierte die Familie Zürcher auf dem Wohnhaus eine kleine Sonnenkollektoranlage für die Warmwasseraufbereitung. Franz Zürcher interessierte
sich in der Folge zusehends für die Möglichkeiten der Solartechnik. Immerhin verfügt sein Betrieb über zwei grosse Scheunendächer mit guter Neigung und Ausrichtung.
Im Jahr 2007 unternahm Zürcher den ersten Versuch, mit einer Fotovoltaikanlage Strom zu erzeugen und diesen einem Werk anzubieten. Im Mai 2008 meldete er dasjenige Projekt, welches nun im Betrieb ist, bei swissgrid für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) an. Es wurde auf die Warteliste gesetzt. Im Oktober 2009 erhielt er vom Elektrizitätswerk der Stadt Zürich Bescheid, dass sein Projekt angenommen wurde. Die Baubewilligung wurde zügig erteilt. Die Montage erfolgte im Frühjahr 2010 in knapp 5 Tagen.
Zürcher möchte ein zweites Dach auf seinem Betrieb ebenfalls mit einer Fotovoltaikanlage ausrüsten. Da in unmittelbarer Nähe ein denkmalgeschütztes Objekt steht, gibt es noch Widerstände, welche allerdings bei der sich anbahnenden Änderung der Haltung der öffentlichen Hand bald aufgegeben werden könnte, nicht zuletzt, weil es Materialien und Eindeckungsverfahren gibt, welche sich ästhetisch gut in ein Dach integrieren lassen.

Unterschiedliche „Solarförderung“ im Kanton Zug

Max Gisler, Leiter der Energiefachstelle des Kantons Zug, vermittelte den
Anwesenden einen Überblick über wichtige Rahmenbedingungen bezüglich der
Anwendung der Solartechnik bei Bund, den Kantonen und Gemeinden mit
Schwergewicht des Kantons Zug.

Ausgehend von einer gegenwärtigen Belastung des Stromkonsums von 0.45 Rp.
kWh, welche gesetzlich bis zur Umsetzung des Beschlusses von 0.9 Rp. auf 0.6 Rp.
festgesetzt ist und der daraus resultierenden Alimentierung eines Fördertopfes,
welcher separat verwaltet wird, erläuterte Gisler die Voraussetzungen, um in den
Genuss der „KEV“ zu gelangen. Da die Schweiz, im Gegensatz zu umliegenden
Ländern, eine betragsmässige Limitierung bei der Förderung der erneuerbaren
Energien kennt, besteht eine lange Warteliste für neue Projekte. Trotzdem rät er
Investoren, ihr Projekt bei swissgrid anzumelden. Der Vergütungsansatz gilt ab
Inbetriebnahme. Bei der Einreichung eines Projektes und der dabei sinnvollerweise
zu erstellenden Investitionsrechnung ist zu berücksichtigen, dass in den kommenden
Jahren aufgrund der technisch-wirtschaftlichen Entwicklung die Vergütung – je nach
Anlagetyp differenziert – abgesenkt wird. Man geht dabei von Schritten von 8 % aus.
Es ist durchaus möglich, ein Projekt anzumelden, den Strom gemäss geltenden
gesetzlichen Regelungen einzuspeisen – es besteht eine Abnahmepflicht – und erst
später in den Genuss der KEV zu gelangen.

In baurechtlicher Hinsicht gilt, dass dank der Revision des Raumplanungsgesetzes,
konkret von Art. 18a (Gesetz vom 22. Juni 1979) festgeschrieben ist, dass
Solaranlagen zu bewilligen sind, falls keine Kultur- und Naturdenkmäler von
kantonaler oder nationaler Bedeutung beeinträchtigt werden. Dabei gilt, dass die
Integration in ein Dach harmonisch zu erfolgen hat. Bei bewilligungspflichtigen
Bauten gemäss kantonalem Recht sind die Zustimmung des Amtes für Raumplanung
und ein Entscheid des Gemeinderates notwendig.
Fotovoltaische Anlagen werden im Kanton Zug zusätzlich zur Kostendeckenden
Einspeisevergütung des Bundes nicht gefördert. Hingegen gewähren einzelne
Zugergemeinden zusätzliche Unterstützungen. (Ein Beispiel: Stadt Zug beteiligt sich
mit 25 % der Kosten. Es wird empfohlen, vor einem Investitionsentscheid, sich bei
der Standortgemeinde zu erkundigen.)
Hingegen ist es möglich, bei thermischen Anlagen – Kollektoren – eine kantonale
Unterstützung zu erhalten. Die kantonale Hilfe wird nur bei mindestens zehn Jahre
alten Gebäuden im Umfang von einem Drittel der Kosten geleistet, wobei der
maximale Subventionsbetrag CHF 80 000.- pro Gebäude beträgt. Einzelne
Gemeinden, wie die Stadt Zug, gewähren weitere Hilfen, wobei die Tendenz der
gemeindeeigenen Förderung abnimmt.

Solarförderung: ungenügend

Kantonsrat Fredy Abächerli sprach den Teilnehmenden aus dem Herzen, als er in
seiner klaren Analyse feststellte, dass die Solarförderung in der Schweiz
ungenügend ist, ja durch die monopolähnlichen elektrischen Grossversorger
gebremst wird. Abächerli ortet bei der Politik dieser Firmen den Versuch, sich zwar
durch publikumswirksame Einzelförderungen einen grünen Anstrich zu geben,
insgesamt aber ihr Anliegen durchzuzwängen, neue Atomkraftwerke zu bauen.
Anhand von Beispielen erläuterte er die personellen Verflechtungen wichtiger
eidgenössischer Parlamentarier mit der Atomlobby.
Für ihn ist klar, dass diese Firmen den Strom selber produzieren wollen und in den
dezentralen Produzenten – wie den Solarbauern – eine unliebsame Konkurrenz
sehen.
Stossend findet Abächerli auch das Verhalten einzelner Versorgungsbetriebe im
Kanton Zug. Diese verlangen einerseits von den Stromkunden einen höheren
Aufpreis für Ökostrom als das Elektrizitätswerk des Kantons Zürichs oder das
Elektrizitätswerk der Stadt Zürich, wobei die Differenz beim Kundentarif für
Solarstrom zwischen 10 und über 30 Rappen je kWh im Vergleich der Wasserwerke
Zug zu den Angeboten von EKZ und EWZ liegt.
Für Abächerli ist klar: Der Strommarkt wird verpolitisiert, dadurch wird die Umstellung
auf die „Erneuerbaren“ in der Schweiz erschwert und verzögert.

Dank für den Einsatz durch den Präsidenten des Zuger Bauernverbandes

Josef Murer, Präsident des Zuger Bauernverbandes, zeigte nicht nur sein lebhaftes
Interesse an den Möglichkeiten der Solartechnik, sondern gratulierte dem Ehepaar
Zürcher für deren Initiative. Er ist überzeugt, dass künftig das Amt für Raumplanung
bei der Beurteilung von Baugesuchen gerade in heiklen Gebieten offener als bisher
handeln wird. Aufgrund der Struktur der Landwirtschaft des Kantons Zugs und den
dabei bestehenden Gebäuden ortet er ein grosses Potenzial für weitere
Fotovoltaikanlagen. Er appelliert, nicht in einem „rechts/links-Schema“ zu verweilen,
sondern die langfristigen Erfordernisse und Möglichkeiten ins Zentrum der
Überlegungen zu stellen.


Praktische Hinweise durch den Anlagebauer, MBR Thurgau AG

Christian Wolf hat als Landwirt auf seinem Hof, zusammen mit anderen Landwirten,
selber begonnen, in die Solartechnik zu investieren. In der Zwischenzeit sind diese
Aktivitäten beim Maschinenring Thurgau zu einem eigenständigen Betriebszweig
geworden. Bis Ende 2010 wird die Firma für rund 3 Megawatt Anlagen gebaut
haben. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Die Firma setzt auf höchste Qualität bei
den Modulen und einer auf die Bedürfnisse der Landwirte ausgerichteten Planung.
Eine Machbarkeitsstudie wird nicht verrechnet. Wolf warnte die Teilnehmenden von
Billigimporten aus dem Osten. Bei kurzfristiger Betrachtung ist es möglich, mit
solchen Produkten hohe Renditen zu erzielen, dies gerade, wenn man in die KEV
gelangen sollte, hingegen zeigt die Erfahrung, dass zugesicherte Garantien oft nicht
das Papier wert sind, auf welchem sie geschrieben stehen. MBR verfolgt die
Leistungsfähigkeit verschiedener Module durch eigene Messungen und studiert
laufend internationale vergleichende Leistungsanalysen. Die Firma setzt bei
Landwirtschaftsbetrieben auf die bewährten Materialien und ist gegenüber dem
Einsatz von Dünnschichtmodulen skeptisch. Sie bevorzugt Aufdachlösungen, nicht
zuletzt wegen den sich bei Indachlösungen ergebenden Problemen der Kühlung der
Panelen und dem bei Erwärmungen eintretenden Leistungsverlust.
Das Montagesystem ist so ausgelegt, dass damit verschiedenen Wind- und
Schneelastgrössen – je nach Lage eines Objektes – Rechnung getragen werden
kann. Die Module werden eingelegt in spezielle Metallschienen, welche wiederum mit
dem Dach durch Stockschrauben verbunden sind. Der Kreuzverbund ist stabil.
Wolf wies auf verschiedene zu beachtende Punkte bei der Ausführung eines
Projektes hin, so auf die notwendige Anmeldung beim Starkstrominspektorat –
schliesslich ist eine Fotovoltaikanlage ein Kraftwerk auf dem Dach, auf die
rechtzeitige Versicherung der Anlage (je nach Kanton unterschiedliche
Zuständigkeiten), ebenso auf die rechtzeitige Abklärung der Überwachung und
Wartung der Anlage. Dank neuster Technik kann eine Anlage und ihre Komponenten
rund um die Uhr beobachtet und analysiert werden, sodass bei anormalen
Abweichungen von Sollgrössen ein Einschreiten schnell möglich ist.
Wolf ist überzeugt, dass die Investitionskosten – hauptsächlich von der
Preisentwicklung der Solarmodule abhängig – weiter sinken werden und bei
4
Ausschreibungen von Versorgungsunternehmen nur diejenigen eine Chance haben,
welche pro kWh rund 40 Rappen verlangen.

Folgerungen

Immer mehr Landwirte und ihre Organisationen sind vom grossen vorhandenen
Potenzial für Solaranlagen überzeugt. Die Installation einer Fotovoltaikanlage wird
als Investition mit Renditecharakter und als ergänzende Einnahme betrachtet. Die
Förderung der Solarenergie sollte verstetigt werden.

 
     
 
     
   
     





 
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