Tagungsbericht: Barberêche, 11. Oktober 2008


Das Glarnerland ist bereit für die Solartechnik

Die industrielle Produktion hat im Glarnerland Tradition. Der Landwirtschaft mit bekannten Spezialitäten kommt weiterhin eine bedeutende Rolle im diversifizierten wirtschaftlichen Geflecht zu. Die Topographie erlaubt es, an exponierten Lagen die Solartechnik einzusetzen, sodass Landwirte einen Zusatzverdienst erwirtschaften können.
In einer ausgedienten Spinnereianlage hat die Firma Linth Solar AG ihren Standort aufgebaut. Die letzte Veranstaltung des Projektes „Solarbauern“ im Jahre 2008 fand an deren Geschäftsdomizil statt.
Die breite Information zeigte: Das Interesse an der Solartechnik ist im Kanton Glarus gross. Die  Investitionsbereitschaft besteht, kommt aber nur dann zum Tragen, wenn neben den technischen Fragen die Entschädigung für Solarstrom gelöst ist.
Der Qualitätssicherung über alle Stufen eines Solarprojektes –Machbarkeitsstudie bis hin zur Anlageabnahme und Betreuung- muss die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ausgewiesene lokale Fachleute stehen zur Verfügung. Die Unterstützung durch kantonale Stellen ist gewährleistet.


Wer ist die Linth Solar AG?
Solarrechner: praktisches Hilfsmittel

Die Firma Linth Solar AG ist eine junge, dynamische Firma, welche über ein breites Produkteangebot auf dem Gebiete der Solartechnik anbietet ohne dabei die Installationen selber vorzunehmen. Die Firma strebt eine enge Zusammenarbeit mit Dritten (Fachplanern und Installateuren, seien diese Sanitär-Heizungsfirmen, Dachdecker oder Elektriker) an.
Sowohl Komponenten für die thermische als auch für die fotovoltaische Anwendung können über die Firma bezogen werden. (Siehe: www.solarbauern.ch unter Firmen)
Der Verantwortliche der Firma, Andreas Schlatter, erläuterte anhand des von seiner Firma entwickelten Solarrechners, dass Solarinteressierte mit wenigen Angaben über die Webseite der Firma eine erste Schätzung der möglichen Energieausbeute einschliesslich einer Kosten- und Ertragsschätzung erhalten können, bevor sie sich durch eine Planungsfirma eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen.
Vereinfacht gilt, dass sich bei einer möglichen Leistung von 1000 Watt (genauer Watt/Peak im Sinne der möglichen Leistung einer Installation) und einer Leistungsdichte von 130 Wp pro m2 Kosten von 6 CHF pro Wp bei einem handelsüblichen Modul ergeben und eine solche Anlage einschliesslich der Montage auf rund 10 000 bis 12 000 CHF zu stehen kommt oder CHF 1500 pro m2 installierte Fläche.
Dazu kommen noch laufende Kosten für die Reinigung und den Unterhalt.
Der finanzielle Ertrag hängt davon ab, ob eine solche Anlage durch swissgrid, der schweizerischen Netzgesellschaft, zuständig für die Bewilligung von „Kostendeckenden Einspeisungen“, bewilligt wird oder durch eine Ökostrombörse oder ein Elektrizitätswerk zu einem Preis, welcher die Kosten deckt.
Andreas Schlatter zeigte den Teilnehmenden anhand eines Filmes den Weg von gewöhnlichem Sand zum funktionierenden Solarmodul. Die umweltschonende Herstellung der Solarmodule aus praktisch unbeschränkt vorhandenen Rohstoffen, deren Lebensdauer und Recyclierbarkeit und deren breiten Verwendbarkeit sind Vorteile, welche den zunehmenden Erfolg der Solartechnik begründen.


Wie vorgehen beim Bau einer Fotovoltaikanlagen?

Toni Schmid, Fachplaner von der Firma Enecolo AG, Mönchaltdorf, zeigte den systematischen Weg von der Idee „Solaranlage“ bis hin zur funktionierenden Installation.
(Siehe auch: www.solarstrom.ch, betr. Firma Enecolo AG  und www.photovoltaik.ch für allgemeine Informationen und das Fotovoltaikprogramm in der Schweiz.)

Ein Vorprojekt im Sinne einer Machbarkeitsstudie soll die wichtigsten Fragen klären, ohne dass dabei für den potenziellen Investor grosse Kosten anfallen. Einschliesslich eines Besuches vor Ort kann man mit rund CHF 2000.- eine solche Studie erstellen. Diese umfasst Fragen wie die Art und Weise der Installation von Solarzellen auf einem Dach (auf dem Dach, Indach oder freistehend), den möglichen Netzanschluss inkl. allfällig notwendiger Verstärkungen der Leitungen, Trafo, aufgrund der lokalen Verhältnissen, mögliche Stromabnehmer, den Eigenversorgungsgrad, den Zustand des Daches (Statik, Fragen der Schneelast usw.) und eine erste Kostenschätzung.
In der anschliessenden Planungsphase werden neben den technischen Detailplänen, der Wahl der Komponenten usw. Fragen betreffend das Baugesuch, der Anschlussbewilligung, des Vertrages mit dem Stromabnehmer, die Einholung von Offerten und die Ausführungsvorbereitung in Angriff genommen. In der Ausführungsphase werden die Aufträge vergeben, die Verträge abgeschlossen und die Installationsarbeiten überwacht. In der Abschlussphase wird ein Abnahmeprotokoll erstellt, allenfalls die Mängelliste, die vorgeschriebene elektrotechnische Abnahme durchgeführt, die Inbetriebnahme an swissgrid (sofern die Kostendeckende Einspeisevergütung angewendet wird) und an das abnehmende Werk gemeldet.


An wen kann man im Kanton Glar den Solarstrom verkaufen?

Markus Hermann, Präsident der Solarstrombörse Glarus, zeigte seit den Pioniertagen (Jahr 1991)auf, wie sich der Verkauf von Solarstrom im Kanton entwickelt hat. Ziel der Solarstrombörse ist die Förderung und Nutzung von Strom aus Solarenergie u. a. durch regelmässige Informationen, Fachreferate, Messeauftritte, Tag der Sonne, Solarmodellboot Cup, Beratung bei neuen Anlagen. Man verfügt über ein Netzwerk unter Einschluss der Glarner Elekrizitätswerke. Die Zertifizierung des Solarstromes ist eingeleitet.
Bereits beziehen 232 Glarnerinnen und Glarner Solarstrom. Die Bezugsmenge ist frei wählbar.
Der Absatz beträgt zurzeit 25 000 kWh. Diese stammen aus 31 Anlagen. Es erfolgt ein separate Rechnungsstellung. Anfänglich wurde ein Preis von CHF 1.20 pro kWh verlangt. In der Zwischenzeit konnte man den Preis auf CHF 0.85 pro kWh senken.

Dabei geht es nicht unbedingt um die Wahl der best geeigneten Gebäude, sondern um die Verankerung der Idee „Solar“. Dies ist ein Grund, warum die grösste Glarner Kantonsschule mit einer Solaranlage ausgerüstet wurde.
Aus rechtlicher Hinsicht gilt es anzumerken, dass die Gesetzgebung eine Abnahmeverpflichtung für Solarstrom vorsieht. Der einzelne Stromproduzent ist angehalten, sich vor einer Installation sowohl über den Abnehmer als auch über den zu vergütenden Preis zu erkundigen und die wichtigsten Eckpunkte vertraglich abzumachen.


Was macht die Genossenschaft Solar-Anlagen Sernftal?

Peter Zentner von der Genossenschaft Solar-Anlagen erläuterte anhand verschiedener realisierter Projekte die Tätigkeit der Genossenschaft. Neben eigentlichen Solaranlagen wurde z. B. im Sernftal eine Heubelüftung installiert. Das grösste Objekt bestand in der Installation einer Solaranlage in Schwanden, wo ein Schulhaus mit 70 m2 Solarpanelen eingedeckt wurde zu einem Preis von CHF 88 000.-. Der laufende Ertrag betgrägt CHF 6000.-. Die Finanzierung erwies sich als schwierig, weil keine langfristigen Abnahmeverträge vorgewiesen werden konnten. Anstelle der zurückhaltenden Banken sprang ein privater Investor ein. Die Genossenschaft hat zum Ziel, die Sonnenenergie „unter die Leute“ zu bringen. Die Lokalkenntnisse ermöglichen eine angepasste Beratung.


Wie hilft der Kanton Glarus den Solarinteressierten?

Fritz Marti, Leiter der Energiefachstelle des Kantons Glarus, konnte den Teilnehmenden aufzeigen, wie er und sein Amt als „Türöffner“ für mögliche Investoren wirken.
(Siehe: www.energie.gl.ch und www.gl.ch/xml_1/internet/de/application/d35/d348/d402/f403.cfm)
Zuständig: Fritz Mart-Egli unter: Fritz.Marti-Egli@gl.ch.
Interessierte erhalten eine erste Beratung kostenlos. Das Amt hilft bei Baugesuchen, insbesondere dann, wenn verschiedene Amtsstellen involviert sind und Fragen des Orts-, Landschafts- und Heimatschutzes in die Überlegungen einbezogen werden müssen.
Bei Landwirtschaftsbetrieben, die sich in der Regel ausserhalb der Bauzone befinden, wird die Koordination mit den für die Landwirtschaft zuständigen Stellen durchgeführt. Die Erfolgschance für Bewilligungen, ausser bei heiklen Fragen des Landschaftsschutzes, seien im Kanton Glarus gross.
Die finanziellen Fördergelder betragen pro Jahr rund CHF 300 000.- und schliessen verschiedene Bereiche der Förderung der Energieeffizienz und derjenigen von erneuerbaren Energien ein.
Beispiel: Neben einer Pauschale bei einer thermischen Solaranlage von CHF 1000.- erhält ein Investor zusätzlich CHF 100.- pro Kollektorfläche.
Die Fotovoltaik wird aufgrund des Inkrafttretens der Kostendeckenden Einspeisevergütung des Bundes nicht mehr mit Fördergeldern unterstützt.


Besichtigung der PV-Anlage der Spinnerei Linthal

Auf der Dachfläche des Versammlungsortes wurde im Jahre 2008 eine fotovoltaische Anlage installiert. Robert Hösli von der Spinnerei Linthal erklärte, dass insgesamt 63 Module installiert worden sind und diese  rund 80 m2 beanspruchen. Pro Tag kann man mit rund 20 kWh rechnen. Man geht davon aus, dass der Ertrag in den Sommermonaten steigen wird. Eine kleinere Anlage wurde an einer Fassade angebracht.
Die Anlagen sind bei swissgrid angemeldet. Eine davon wurde bereits bewilligt.

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