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Tagungsbericht: Barberêche, 11. Oktober 2008


Rings um den Schiffenensee im Kanton Freiburg erstreckt sich eine sanfte Hügelzone. Darin eingebettet findet man stattliche Landwirtschaftsbetriebe.
In „Petit-Vivy“, Barberêche, wird doppelt Hof gehalten. Neben einem vornehmen kleinen Schloss bewirtschaftet die Familie Béat und Elsbeth Aeberhard einen Vorzeigebetrieb. Landwirtschaft, Tourismus und Energieproduktion sind die drei Erwerbssäulen.

Landwirtschaftsbetrieb der Familie Béat und Elsbeth Aeberhard

Fünfunddreissig Kühe und 40 Nachzucht, 16 Mastkälber,  Schweine, Hühner, Enten, Gänse, Ziegen bilden, zusammen mit einem beachtlichen Waldbestand und rund 21 ha Nutzfläche den Kern des Landwirtschaftsbetriebes. Wer Lust auf romantisches Schlafen in der Natur hat, kommt ebenfalls auf die Rechnung.
Schon früh beschäftigte sich die Familie mit dem Einsatz der Solartechnik. Auf einer Dachfläche von 960 m2 sind 918 Solarpanelen installiert. Die technisch mögliche Leistung beträgt 110 kW. Der jährliche Ertrag liegt bei rund 121 000 kWh.  Ohne die notwendigen Anpassungsarbeiten für den Netzzugang handelt es sich um eine Investition von CHF 903 000.-. Eine Subvention von CHF 330 000.- erleichterte den Entscheid. Die übrige Finanzierung geschah über die Alternative Bank mit einem günstigen, langfristig ausgelegten Zinssatz. Der Absatz des Stromes erfolgt über die „groupe e“ mittels einer eigens dafür gegründeten Firma, nämlich der „Vivy-Energie Sàrl“. Die Entschädigung bewegt sich in der Grössenordnung der von „swissgrid“ angewendeten Tarife aufgrund der „Kostendeckenden Einspeisevergütung.“ 16 x 60 kW kauft die Familie als Ökostrom zurück.
Der Ertrag aus dem Stromverkauf bildet die Altersvorsorge der Familie. In Zeiten dahin schmelzender Aktienportefeuilles handelt es sich um eine sinnvolle Anlagestrategie. Seit Inbetriebnahme der Anlage am 28. November 2005 wurde jeder Tag Solarstrom produziert. Rekord: 757 kWh an einem Tag.
Die Anlage wurde mit Hilfe des JugendSolarProjektes installiert.
Die Konzeption lag in den Händen der Firma „Solstis AG“.
Das Dach weist eine Neigung von 20o auf und ist nach Süden gerichtet. Die Panelen sind in das Dach integriert. Die Vorschriften betreffend die Lichtverhältnisse in einem „Stall“ sind geschickt genutzt worden, indem kleine „Fenster“ ins Dach eingebaut wurden, sodass die aufsteigende Wärme der Kühe im Winter zur Abtauung von Schnee auf den Panelen genutzt werden kann. Gerade bei der Anwendung der Solartechnik auf Landwirtschaftsbetrieben ist die Belüftung und Kühlung der Panelen und die Rückgewinnung der Wärme, am besten zur Nutzung für die Heubelüftung und –trocknung, von grosser Bedeutung. Der Wechselrichter (SolarMax, Firma Sputnik)  ist ausserhalb des Stalls untergebracht. Das stete Summen der Wechselrichter würde die auf solche Frequenzen sensiblen Kühe bei der Milchabgabe sonst stören und den Milchertrag schmälern.

Die Solaranlage der Familie Aeberhard ist zu einem eigentlichen Vorzeigeobjekt geworden. Schweizerische und europäische Auszeichnungen sprechen dafür. Die Anlage ist Anziehungspunkt für Interessierte aus einem weiten Umkreis.

Unternehmer Béat Aeberhard will nicht beim Bisherigen ausruhen, sondern denkt darüber nach, ob und wie er allenfalls eine Biogasanlage installieren kann.

Erkenntnisse der Tagung

Die unternehmerische Pionierleistung der Familie Aeberhard, nämlich in eine grosse Fotovoltaikanlage zu investieren, hat sich gelohnt.
Im Kanton Freiburg steht die Politik sowohl auf Gemeinde- als auch auf Kantonsebene positiv zur Förderung der erneuerbaren Energien. Die Landwirtschaft nimmt in diesem Kanton weiterhin eine grosse Bedeutung ein. 700 Mio. CHF beträgt die Wirtschaftsleistung der landwirtschaftlichen Basisproduktion pro Jahr. Dazu kommt eine breit diversifizierte Verarbeitungsindustrie. Ein funktionierendes Netzwerk sorgt dafür, dass Landwirte, welche in die Solartechnik investieren, zu finanziellen Unterstützungen gelangen können. Fachleute des Bauernverbandes des Kantons stehen den potenziellen Investoren mit Rat und Tat zur Seite. Die Vereinigung „APER“ (siehe: www.aper.ch) unterstützt partnerschaftlich die Entwicklung der erneuerbaren Energien.
Weniger zufrieden ist man mit den Lösungen auf Bundesebene. Der zur Förderung der erneuerbaren Energien erhobene Betrag von CHF 0,6 pro kWh fliesst hauptsächlich denjenigen Energien zu, welche ein relativ tiefes Kostenniveau ausweisen. Dies führt dazu, dass vom gesamten „Subventionskuchen“ der geringste Teil für die Fotovoltaik entfällt, ausgerechnet für jene Energieform, für welche am meisten Gesuche bei swissgrid eingereicht worden sind.
Verschiedene Referenten, schwergewichtig der Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, Nationalrat Jacques Bourgeois (Das Referat von NR Jacques Bourgeois ist im Wortlaut auf unserer Webseite angegeben), plädierten für eine Lockerung des bestehenden Deckels. Die Politik dürfte sich allerdings schwer tun, gesetzliche Grundlagen, deren Zustandekommen schwierig war, nach einer nur kurzen Erfahrungszeit zu ändern.
Potenziellen Investoren ist zu raten, sich zunächst Klarheit über die technischen Möglichkeiten einer Solaranlage, bezogen auf ihren Landwirtschaftsbetrieb, zu informieren. Solarrechner, welche gratis im Internet zur Verfügung stehen, können einen ersten Anhaltspunkt liefern. Die Ausarbeitung eines Projektes muss neben energetischen Fragen auch solche der Bauphysik, der Konstruktion von Dächern und deren Belüftung, der Abklärung des besten Vermarktungsweges und der Finanzierung enthalten. Es wird empfohlen, weiterhin Gesuche an swissgrid zu richten. Einerseits wird dadurch der Druck auf die Politik erhöht, andererseits besteht die Möglichkeit, dass Projekte, welche bereits eingereicht worden sind, nicht zum Zuge kommen, sodass das eigene Projekt Chancen hat. Ein alleiniges Abstellen auf die Kostendeckende Einspeisevergütung ist nicht ratsam.
Das breite Spektrum der Solartechnik sollte ab Beginn berücksichtigt werden. Insbesondere ist es sinnvoll, eine thermische Anlage zu installieren, da man –ausser allfälligen Baugesuchen- von Dritten nicht abhängig ist. Bei den steigenden Erdölpreisen kann eine Anlage zur Aufbereitung des Warmwassers, zur Unterstützung der Heizung und für Zwecke der Heubelüftung und –trocknung sinnvoll sein.
Der Investitionsentscheid soll erst dann gefällt werden, wenn Verträge vorliegen, die einem Landwirt eine klare Rendite auf seine Investition garantieren.

Dank
Der Familie Aeberhard sei für deren sprichwörtlich nette Gastfreundschaft herzlich gedankt. Ein besonderer Dank geht an alle Referenten, angefangen bei der Gemeindepräsidentin von Barberêche, Frau Carole  Plancherel, über Regierungsrat Dr. Beat Vonlanthen, Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizerischen Bauernverbandes, Nationalrat und Vizepräsident UREK-N, Fritz Glauser, Präsident  des Freiburgischen Bauernverbandes, Urs Wolfer, Verantwortlicher für die Solartechnik beim Bundesamt für Energie, Pascal Affolter, Direktor der Firma Solstis SA, Hans Koehli der „Groupe e“ und Urs Muntwyler von der Firma Solarcenter Muntwyler.

Bilder


   
   
   
   
   
 
   

Referat

Referat von Jacques Bourgeois, Direktor Schweizerischern Bauernverband, Nationalrat und Vizepräsident UREK-Nationalrat

Compte-rendu de Jacques Bourgeois, Directeur de l’Union Suisse des Paysans, Conseiller national et vice-président de la CEATE du Conseil national



 


 
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